StartDesign & StrategieInformationsvisualisierung „Toxisch“

Melanie Tschiedel

Journalismus | Design | Kommunikation

Inhalte neu denken. Als Journalistin und Kommunikationsdesignerin verbinde ich fundierte Recherche mit visueller Strategie. Mein Fokus: Komplexe Themen multimedial aufbereiten und Ästhetik mit journalistischer Relevanz vereinen – von der Datenanalyse bis zum Editorial-Konzept.

Informationsvisualisierung „Toxisch“

Daten sind oft abstrakt, besonders wenn sie sensible gesellschaftliche Themen betreffen. In meiner Informationsvisualisierung „Toxisch“ habe ich untersucht, wie Informationsdesign dazu beitragen kann, die Verfügbarkeit von Medikamenten als stilles Risiko im Suizidgeschehen Österreichs sichtbar zu machen.

Die Herausforderung: Sensible Daten greifbar machen

Das Ziel dieses Projekts im Modul User Centered Design mit Florian Halm war es, die statistische Entwicklung von Suizidmethoden in Österreich über Jahrzehnte hinweg aufzubereiten. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Medikamentenverfügbarkeit von Wirkstoffen wie Paracetamol. Da die vorhandenen Visualisierungen in wissenschaftlichen Berichten oft schwer zu entziffern oder unvollständig waren, bestand meine Aufgabe darin, diese Datenlücken durch präzises Design zu schließen.

Unterstützung & Hilfe

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Suizid – das kann belastend sein. Wenn es Ihnen psychisch schlecht geht oder Sie sich stark belastet fühlen, gibt es in Österreich rund um die Uhr kostenlose und vertrauliche Unterstützung:

Methodik: Von der Rohdatentabelle zum sauberen Chart

Für die Umsetzung habe ich verschiedene Visualisierungstechniken kombiniert, um maximale Klarheit zu schaffen:

  • Präzision statt „Chartjunk“: Unter Anwendung der Prinzipien von Edward Tufte habe ich unnötige Elemente entfernt, um den Fokus auf die tatsächlichen Fallzahlen zu lenken.
  • Inklusives Design: Ich habe mich bewusst gegen klassische Rot-Grün-Farbpaletten entschieden, um sowohl Barrierefreiheit (Farhfehlsichtigkeit) zu gewährleisten als auch ungewollte Konnotationen von „gut“ oder „schlecht“ zu vermeiden.
  • Multimedialer Tool-Stack: Während ich für geographische Vergleiche in Europa auf Choropleth-Maps via Datawrapper setzte, wurden die detaillierten Balkendiagramme in Adobe Illustrator finalisiert.
  • KI-Unterstützung: Zur atmosphärischen Ergänzung der harten Fakten wurden begleitende Grafiken gezielt mit Unterstützung von KI-Modellen generiert.

Strategischer Blick: Design als Prävention

Die Arbeit zeigt deutlich, dass Frauen überdurchschnittlich oft zu Methoden wie Vergiftungen greifen. Durch den Vergleich mit internationalen Regulierungen (z. B. Packungsgrößenbeschränkungen) macht die Visualisierung deutlich, wo in Österreich präventive Lücken bestehen. Gutes Informationsdesign dient hier nicht nur der Ästhetik, sondern ist ein Werkzeug der öffentlichen Gesundheitsvorsorge.

Mein persönliches Takeaway

Dieses Projekt hat meine Fähigkeit geschärft, tiefgehende Recherche mit visueller Aufbereitung zu verbinden. Es beweist, dass ich in der Lage bin, auch für hochsensible Themen eine gestalterische Sprache zu finden, die informiert, ohne zu überwältigen.

Quellen

  1. IQVIA PharmaTrend, Apotheken-Sell-out-Daten
  1. Morthorst BR, Erlangsen A, Nordentoft M, Hawton K, Hoegberg LCG, Dalhoff KP. Availability of Paracetamol Sold Over the Counter in Europe: A Descriptive Cross-Sectional International Survey of Pack Size Restriction. Basic Clin Pharmacol Toxicol. 2018 Jun;122(6):643-649. doi: 10.1111/bcpt.12959. Epub 2018 Feb 8. PMID: 29319222.
  2. Suizid und Suizidprävention in Österreich, Bericht 2025, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
  3. Surveillance psychosoziale Gesundheit: Aktuelle Ergebnisse, Gesundheit Österreich GmbH, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

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